Drupal vs. Joomla!

Drupal versus Joomla!
 
Angetreten in der Arena der Web-CMS sind heute: Drupal in der linken Ecke als Herausforderer und Joomla! in der rechten Ecke, um seinen Titel zu verteidigen.

Na gut, so reißerisch wie im Boxsport wird es hier nicht zugehen. Jedoch gibt es in diesem speziellen Fall Parallelen.

Navigation in diesem Artikel:
1. Vorgeschichte
2. Beschreibung der beiden Systeme
3. Vergleich
4. Fazit

 1. Vorgeschichte

Meine bisherigen Webprojekte habe ich teilweise mit Joomla! und auch mit Drupal realisiert, im gewissen Rahmen maße ich mir an, die beid WebCMSe vergleichen zu können und starte hiermit auch gleichmal den Versuch. Ausschlaggebend für diesen Artikel ist aktuell die kürzliche Mirgation meines Lieblingsprojektes von Joomla! nach Drupal.

Solltest du mit Blogs bisher nur lesend zu tun gehabt haben, aber auch wenn du vielleicht einen Blog selbst befüllst, will ich kurz erklären, wer die Herren Drupal und Joomla! sind.

Bei beiden Programmen(?) handelt es sich um (Web-)Content-Management-Systeme, die dazu dienen, dynamische Inhalte dem 'Surfer' darzureichen. Auch Wordpress ist ein (Web-)CMS, und zwar speziell angepasst für die bloggende Zunft. Andere Aufgaben könnte man zwar auch mit Wordpress erledigen, aber der Aufwand wird dann im Vergleich zu nicht spezialisierten CMS ungleich höher. Auf der anderen Seite ist Wordpress gegenüber z.B. Drupal und Joomla! natürlich dann im Vorteil, wenn ein Blog betrieben werden soll.

Webauftritte die mittels von mir genannter Web-CMS realisiert werden, gibt es viele,und darunter wiederum viele, die mit Drupal oder Joomla realisiert wurden.

Beispiele für Drupal:

Beispiele für Joomla! (wahllos gegoogelt):

So, nachdem du dir hoffentlich ein Bild machen konntest, wie die verschiedenen Webauftritte so aussehen, kann's ja weitergehen.

2. Beschreibung der beiden Systeme

a) Joomla!

Joomla! ist ein Web-CMS, welches vor einiger Zeit aus Mambo hervorgegangen ist. Ein großer Teil der Entwicklergemeinde wandte sich auf Grund von Meinungsverschiedenheiten vom Mambo-Projekt ab und gründete darauf hin das Joomla!-Projekt, suzusagen einer Fork von Mambo.

Derzeit ist man bei der Version 1.0.13 angekommen, etwa alle halbe Jahre gibt es ein Update, vorwiegend um Sicherheitslücken zu schließen oder Bugs zu beseitigen. Das nächste große Release ist wird die Version 1.5 sein. Hier werden umfangreiche Änderungen unter der Haube zu erwarten sein. Seit etwa einem Jahr befindet sich das 1.5er Relase im Beta-Stadium, so dass man erwarten kann, eine ausgereifte Version zu bekommen. Sicherlich muss man dann diesen Artikel dann nochmal neu schreiben...

Installation und Einrichtung eines Webauftrittes ist denkbar einfach, Dateien auf den Webserver kopieren, die Installation durchlaufen und schon steht der eigene Webauftritt mit Standard-Template und Platzhaltertexten. (Ok, eine Datenbak muss noch angelegt werden - aber das ist dann auch wirklich alles).

Die Einstiegshürde ist nicht hoch, und noch einfacher ist es bei manchen Providern, hier wird eine Einrichtung von Joomla! vom Provider selbst schon angeboten (z.B. 1blu, allinkl.com etc.)

Die Joomla-Installation gliedert sich klar in den Frontend- und Backendbereich. Während sich im Frontend die Besucher tummeln, kann der Administrator/Moderator/... die Seiten pflegen, neue erstellen oder sich über Statistiken informieren.

Die Backend-Bedienung ist schlüssig und lehnt sich an die Benutzerführung von Standardprogrammen z.B. in Windows an. Dadurch ist die Bedienung sehr intuitiv. Die Lernkurve steigt steil nach oben, man hat es relativ schnell drauf, seine Joomla!-Installation vernünftig zu administrieren.

Ein Füllhorn von zusätzlichen Komponenten lassen eigentlich keine Wünsche offen, will man mit seiner Seite ein spezielleres Publikum bedienen. DIe Anzahl geht in die Tausende, bei vielen Aufgabenstellungen kann man unter verschiedenen Komponenten wählen.

Und damit nicht ein Joomla!-Webauftritt wie jeder andere aussieht, kann man das Standardtemplate verändern, was ziemlich einfach ist, den hier handelt es sich im Prinzip um eine HTML-Seite mit eingesprengseltem PHP-Code. Lässt man letzteren in Ruhe, kann man auch als Einsteiger ziemlich schnell eine individuelles Jäckchen für seinen Webauftritt stricken. Muss man aber nicht mal. Denn es gibt bestimmt weit über tausend Templates zum Herunterladen, so dass man hier eine wirklich große Auswahl für das Outfit seiner Webseite hat.

Bei so viel Licht ist natürlich ach Schatten zu finden. Und der begegnet einem schon in Form von Tabellen-Gerüsten im Quellcode auf Schritt und tritt. Dies ist natürlich insofern gut, lassen sich doch komplexe Layouts erstellen. Jedoch bringt es auch Nachteile mit sich, u.a. ein sehr verwurschtelter Code und überhaupt ist das nutzen von Tabellen für Layouts sowas von 1.0, und wir sind ja bekanntlich schon eine Version weiter.

Leider kommt man sehr schnell an seine Grenzen, sollte es mal keine Komponente geben, die einem Sonderfunktionen für den eigenen Webauftritt bescheren, denn dann wird es für den Einsteiger nervig.

Als Beispiel sei die Kommentarfunktion genannt. Hat man sich mal für eine entschieden, ist es nicht einfach, einfach zu wechelen und ein "Konkurrenzprodukt" zu nutzen. Soweit hergeholt ist das Beispiel nicht, denn es kommt durchaus vor, das die Komponente nich mehr gepflegt wird und Spammer etc. Lücken finden, ihren Müll zu verteilen.

Und an diesem Punkt habe ich mich entschieden, das gesamte Web-CMS zu wechseln, und zwar zu

b) Drupal

Als ich die Drupal-Installation vorgenommen habe, war gerade die Version 4.7.x aktuell, und hier musste man einige Hürden umschiffen, um zu einer funktionierenden Website kommen. Teilweise habe ich Konfigurationsdateien händisch bearbeiten müssen. Aber eigentlich nicht schlimm, denn der Lerneffekt ist phänomenal. Mittlerweile (Version 5.2) muss man es sich nicht mehr antun, irgendwas händisch zu erledigen, auch hier wurde automatisiert.

Eine strikte Trennung von Frontend- und Backendbereich ist in Drupal nicht gegeben, vielmehr hat man als Administrator die normale Ansicht seines Webauftrittes zuzüglich Administrationstools. Man kann also relativ einfach seine Eingaben, Änderungen oder Erweiterungen prüfen, ohne ständig die ANsichten zu wechseln oder mehrere Fenster geöffnet zu halten. Natürlich kann man genauso eine optische Trennung mit Hilfe unterschiedlicher Templates (hier Themes genannt) erzeugen, wenn man es so will.

Auch für Drupal gibt es eine große Gemeinschaft, die sich um die Entwicklung kümmert. Auch ein deutsches Drupal-Portal gibt es.

Unzählige Erweiterungen helfen einem bei der individuellen Ausrichtung der eigenen Seite, wenn man z.B. ein Blog oder ein Communityportal, Social Network oder Forum einrichten will.

Das Aussehen der Seite ist auch relativ schnell eigenen Wünschen anpassbar, jedoch sind die hierfür notwendigen Änderungen nicht so trivial wie in Joomla. Mittlerweile hat sich jedoch auch für Drupal eine nicht gering Zahl an Themes (das Äquivalent von Templates bei Joomla) angesammelt, so das die eigenen Eingriffe in den Quellcode nicht oder nur im geringen Maß nötig sind.

Für mich war es ziemlich gewöhnungsbedürftig, die Strukturierungslösungen (Stichwort Taxonomy) für eine Drupal-Site zu erlernen. Dass die meisten Hilfen und Erläuterungen nur in englisch vorliegen, machte die Sache für mich nicht einfach.

Einige Detaillösungen gedallen mir bei Drupal einfach besser. Zum Beispiel ist es sehr viel einfacher "sprechende URL" für einzelne Seiten zu erstellen, demgegenüber nutzt Joomla hier ein System, dass zwar von Google genauso einfach indexierbar ist, aber Aussagen über den Inhalt nicht oder nur begrenzt zulassen. (Na gut, es kann natürlich eine SEO-Komponente geben in Jommla, die diesen Nachteil ausgleicht, aber mit Bordmitteln der Grundinstallation war es nicht hinzubekommen.)

Ganz Großes haben die Jungs im Kapitel "Multisites" geleistet. Hier ist es möglich, unterschiedliche Webauftritte mittels einer einzigen Drupalinstallation zu realisieren. Dies vereinfacht z.B. die Wartung, wenn man mehrere Seiten betreibt.

Lohn der Mühe ist jedoch eine stabile und sehr individuelle Internetseite, so dass ich zugeben muss, mittlerweile eindeutig zu Drupal zu tendieren, sollte mich jemand nach meiner (unmaßgeblchen) Meinung fragen.

3. Vergleich

In der folgenden Tabelle will ich mittels einer Gegenüberstellung beide Systeme anhand für mich relevanter Eigenschaften vergleichen. Natürlich ist die Liste unvollständig.

Eigenschaft
Joomla!
Drupal
Installation
Sehr einfach, Schritt für Schritt mit Erklärungen Einfach, Seit Version 5 mit Installationshilfe
Erweiterbarkeit
Etliche Komponenten für verschiedenste Einsatzzwecke, oft mehrere Komponenten für eine Aufgabe (z.B 4 verschieden Galerien)
Viele Module zum Nachrüsten, an- und abschaltbar, Abhängigkeiten einezelner Module wird dargestellt
Individualisierung
Viele Templates, einfache Gestaltung oderBearbeitung eines Templates mit Grundwissen
Komplexere Themes, bestehen aus mehreren Dateien, vergleichsweise komplexerQuellcode
Stabilität
In bestimmten Sicherheitseinstellungen kann es vorkommen, das einzelne Komponenten nicht mehr funktionieren Bisher sehr stabil, auch bei höheren Zugriffszahlen
Community / Hilfen
Große Community, deutsches Forum mit vielen aktiven Mitgliedern, oft deutsche Anleitungen
Deutsches Forum mit vielen aktiven Mitgliedern, Lösungen werden schnell erarbeitet
Tuningmöglichkeiten
Spezielle Komponenten für wirklich alles Mögliche vorhanden, man muss sie nur finden
Werkzeuge für individuelle Erstellung von Komponenten sind sehr ausgereift, daher Erfolge mit mittlerem Aufwand erzielbar
Leistungsfähigkeit
Reicht an die Performance von Drupal nicht heran, für jeden Webauftritt eine gesonderte Installation notwendig.
Ausgelegt für hohe Zugriffszahlen, skalierbar, mehrere Webauftritte mit einer Installation möglich
Lernkurve
Sehr leichter Einstieg, jedoch später hohe Einarbeitungszeit bei spezielleren Problemen
Einstiegshürde etwa mittel, jedoch darauffolgend einfacheres Begreifen der internen Funktionsweise
Besonderheiten
Erweiterungen einfach im Backend zu installieren.

Die Konfiguration ist "hartverdrahtet", deshalb Schwierigkeiten bei Zugriff mittels unterschiedlicher Domains
Multisites unter Nutzung von einer oder auch mehrerer Datenbanken

relative Pfade im gesamten Projekt, dadurch einfaches Ändern des Domainnamens möglich
Fazit
Sehr zu empfehlen für schnell zu realisierende Internetauftritte, bei speziellen Aufaben oder Themen können Hürden bei der Anpassung auftreten. Sehr zu empfehlen für größere Projekte, jedoch mit einem höherenArbeitsvorlauf verbunden.

4.Fazit

Es schimmerte sicherlicschon aus dem Text hervor. Ich neige eher zu Drupal, da mir das gesamte Paket als runder erscheint, und nach einer gewissen Einarbeitungszeit (die ich nun ja hinter mir habe), ist das System wunderbar zu bedienen.

Demgegenüber hat natürlich auch Joomla! seine Stärken, die vor allem im schnellen Erlernen der Bedienung und der vielen und obendrein einfach zu installierenden Erweiterungsmöglichkeiten liegen.

Insgesamt gesehen werde ich mein nächstes Projekt sicherlich mit Drupal realisieren.

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